Langsam heißt es für Familie Ausgeflogen Abschied nehmen von El Portús und von lieb gewonnenen Freunden, die wir hier kennengelernt haben und mit denen wir eine super Zeit verbracht haben.
Wir sind nun schon über ein halbes Jahr unterwegs. Eigentlich wollten wir nach 6 Monaten wieder zu Hause sein, doch da es uns unterwegs so gut gefällt und wir unsere Reise in vollen Zügen geniessen, haben wir kurzerhand um einen Monat verlängert. Doch nun müssen wir wirklich los, damit wir bei der Heimreise keinen „Stress“ bekommen und mit ein paar Zwischenstopps bis Mitte März wieder in der Heimat sind. Seit zwei Monaten haben wir unseren Stellplatz nicht mehr verändert, man könnte fast sagen, dass wir unterwegs sesshaft geworden sind. Aber diese etwas ruhigere Zeit hat uns enorm gut getan, wir konnten viele Dinge machen und erleben, die so nicht möglich sind, wenn man ständig auf Achse ist.
Zum Beispiel haben wir in einem einsamen Waldstück ein verlassenes Indianertipi entdeckt, welches wir regelmäßig besuchten. Hier konnte Juanita, die vor kurzem eine Ausbildung zur Waldspielgruppen-Leiterin gemacht hat, ihr erworbenes Wissen bestens anwenden. Bei jedem Besuch im Wald gab es ein spannendes Programm für die Kinder. Mal bauten wir ein Waldsofa, mal legten wir ein Mandala, ein andermal wurde eine Fühlstrasse gebaut, Mobiles gebastelt oder einfach nur ein Picknick gemacht. Die Besuche im Wald bei „unserem“ Tipi wurden ein fester Bestandteil unseres Aufenthaltes in El Portús – genauso wie die regelmäßig organisierten Partys oder spontanen Einladungen von oder zu netten Bekanntschaften. Zu unserem neuen Freundeskreis zählen neben vielen netten Leuten auch diverse Hunde und Katzen, allen voran natürlich Mitzi, unsere „Wohnwagenkatze“, die bei uns ein temporäres zu Hause gefunden hat.
Was uns aber besonders gut gefällt, das ist das Kennenlernen der unterschiedlichsten Lebenskonzepte. Auf so einer Reise erkennt man, dass es noch andere Möglichkeiten der Lebensführung gibt und dass es, so zufrieden wir auch mit dem uns Vertrauten sind, faszinierend ist, andere Lebensentwürfe zu entdecken. Wir lernen das Unkonventionelle schätzen! Alle, die wir den Winter hier im sonnigen Spanien verbringen, sind wir irgendwo Lebenskünstler, der eine mehr, der andere weniger. Die einen schaffen es mit ganz wenig Geld auszukommen und haben dadurch Freiheit vor diversen Sachzwängen der Konsumgesellschaft, die anderen haben ihr Unternehmen verkauft und leben hier im Saus und Braus und wieder andere arbeiten vor Ort und finden so ihr Auslangen. Schwer zu sagen, wem davon es am besten geht. Vielleicht uns?
In jedem Fall sorgt das Unterwegssein dafür, dass wir immer wieder neu taxieren. Unsere Vorstellung davon, was machbar ist und was nicht, ändert sich. Die Reise ermöglicht uns, unsere Lebensauffassung zu überdenken. Es gibt hier keine Erwartungen, jemand und etwas bestimmtes zu sein. Wir sind frei von den Zwängen des Alltags (die einen ja von vielem abhalten). Wir sehen Dinge, die wir vorher nicht gesehen haben und denken uns Dinge aus, wo wir vorher nie auf die Idee gekommen wären. Diese Reise erlaubt uns manchmal auch, uns unterwegs zu verlieren, nichts und niemanden zu kennen, was auch ganz cool sein kann, da man auf diese Weise alles, was einen in seinem Alltagsleben belastet, zurück lassen kann und neue Facetten an sich entdecken kann.
Das Unterwegssein zwingt uns auch, mehr unserer inneren Stimme, unserem Gespür zu vertrauen. Wem dürfen wir trauen, wohin sollen wir fahren, wie kommen wir hin? Insbesondere für Esteban, den Kopfmenschen, ist dies eine neue und wichtige Erfahrung. Und natürlich schweißt uns diese Reise mit all ihren Erfahrungen und das Leben auf engstem Raum auch als Familie noch enger zusammen. Kurzum, eine Erfahrung und ein Erlebnis, dass uns niemand mehr wegnehmen kann! So, genug über das Reisen philosophiert für heute. Nun möchten wir euch noch mit ein paar Bildern der letzten Wochen „erfreuen“.
Ach ja, fast hätten wir vergessen, es zu erwähnen – wir haben uns in einen alten englischen Wohnwagen verliebt, den wir in Gedanken schon bei uns zu Hause im Garten als ideales Spielhaus für unsere Mädchen und als Rückzugsort für uns große sehen – doch bis es möglicherweise so weit ist, ist es buchstäblich noch ein langer Weg.
























































3 Responses to Einsichten und Aussichten
Bin beeindruckt von dem wunderschönen Waldmandala! Auch das selbst gebastelte Süßigkeitenspiel ist sehr kreativ gemacht – alle Achtung!
Insgesamt ein sehr schöner stimmiger ‚Blog‘ mit tollen Fotos, wunderbaren Einblicken in Euer ‚Nomadenleben‘ und interessanten philosophischen Gedanken bzw. Ansätzen dazu.
Das hört sich nach einer sehr ‚runden‘ tollen und vertrauten Unternehmung an. Toll, dass ihr euch das (zu)getraut und umgesetzt habt.
Liebe Grüße und guten Rückweg
Axel
Lieber Axel, besten Dank für deinen Kommentar und die guten Wünsche für den Rückweg. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit euch.
Alles Liebe von Familie Ausgeflogen
Achja, schön sich nochmal zu erinnern und eine Spur des eigenen Reisens zu entdecken. Lasst es euch weiter gut gehen! Und mal schaun, wann und wo sich unsere Wege wieder kreuzen. Ganz liebe Grüße aus Rostock – Karin